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Arbeitszeitgesetz (ArbZG) einfach erklärt

Die wichtigsten Regeln für Schichtbetriebe in 6 Minuten — Ruhezeit, Pausen, Höchstarbeitszeit, Sonntagsarbeit, Jugendschutz. Mit Praxisbeispielen aus Pflege, Gastro und Logistik.

6 min Lesezeit~1000 Wörter

Kurzfassung: Das Arbeitszeitgesetz (ArbZG) regelt für fast alle Arbeitnehmer:innen in Deutschland fünf zentrale Punkte: maximale Tagesarbeitszeit, Mindest-Ruhezeit zwischen Schichten, Pausen, Sonn- und Feiertagsruhe sowie besondere Regeln für Jugendliche. Wer dagegen verstößt, riskiert Bußgelder bis 30.000 €.

Wer ist betroffen?

Praktisch jeder Arbeitnehmer in Deutschland — vom Pflegedienst über die Lager-Aushilfe bis zur Hotel-Rezeption. Ausnahmen gibt es für leitende Angestellte, Chefärzt:innen und im liturgischen Dienst. Für Auszubildende gilt zusätzlich das Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG), das strengere Regeln vorsieht.

Verantwortlich ist immer der Arbeitgeber. Wer einen Dienstplan unterzeichnet, der gegen das ArbZG verstößt, haftet — auch wenn der Verstoß durch unbemerkte Schicht-Tauschen entsteht.

Die 5 zentralen ArbZG-Regeln

1

Höchstarbeitszeit (§ 3 ArbZG)

Max. 8 Stunden pro Werktag — kurzfristig 10 Stunden, wenn der Durchschnitt von 8 Stunden über 6 Monate gehalten wird.

Klingt simpel, hat aber Tücken. Ein Beispiel aus der Pflege:

  • Eine Pflegekraft arbeitet eine Doppelschicht von 14 Stunden — das ist auf einzelnen Tagen nicht erlaubt.
  • Vier Tage à 10 Stunden + zwei Tage à 6 Stunden funktionieren — Schnitt 8 h.
  • 10 Stunden täglich über mehrere Wochen ohne Ausgleichs-Tage sind ein Verstoß.

Werktag im ArbZG-Sinn ist Montag bis Samstag — also 6 Werktage à 8 h = 48 h Wochenarbeitszeit als gesetzliche Obergrenze. EU-Richtlinie 2003/88/EG: max. 48 h Wochenarbeitszeit im 4-Monats-Schnitt.

2

Mindest-Ruhezeit (§ 5 ArbZG)

Zwischen zwei Schichten müssen mindestens 11 Stunden Pause liegen.

Die Klassiker-Falle in Pflege und Gastro:

  • Spätschicht endet 22:00 — Frühschicht am Folgetag darf nicht vor 09:00 beginnen. 06:00 Früh nach 22:00 Spät = Verstoß.
  • In Pflege und Gastro gibt es eine Ausnahme: 10 Stunden statt 11 Stunden sind erlaubt, wenn der Unterschied innerhalb eines Monats ausgeglichen wird (§ 5 Abs. 2 ArbZG).
  • Rufbereitschaft zählt nur dann als Arbeitszeit (und damit Ruhezeit-Ende), wenn der/die MA tatsächlich gerufen wird.
3

Pausen (§ 4 ArbZG)

Mindestens 30 Minuten ab 6 Stunden, 45 Minuten ab 9 Stunden Arbeitszeit — splittbar in Blöcke à mindestens 15 Min.

Pausen sind keine Arbeitszeit — sie werden vor der Stundenbilanz abgezogen. Eine Schicht 08:00–17:00 hat 9 Stunden Anwesenheit aber nur 8,25 Stunden Arbeitszeit, wenn 45 min Pause gemacht werden.

Wichtig in Schichtbetrieben: Pausen können nicht ans Schicht-Ende gelegt werden („einfach 30 min früher gehen"). Pausen müssen innerhalb der Arbeitszeit liegen, sonst gelten sie als nicht genommen.

4

Sonn- und Feiertagsruhe (§ 9 ArbZG)

Beschäftigung an Sonn- und Feiertagen ist grundsätzlich verboten — mit branchenspezifischen Ausnahmen.

Erlaubte Sonntagsarbeit:

  • Pflege, Krankenhäuser, Rettungsdienst
  • Gastronomie, Hotel, Verkehrsbetriebe
  • Energie- und Wasserversorgung
  • Notfall- und Rufbereitschaft in der Industrie

Wer an einem Sonntag arbeitet, hat Anspruch auf einen Ersatzruhetag innerhalb von 8 Wochen. Pro Jahr müssen mindestens 15 Sonntage frei bleiben.

Feiertagsregeln sind Bundesland-Sache: Allerheiligen ist in NRW Feiertag, in Berlin nicht. Eine gute Schicht-Software berücksichtigt das pro Bundesland.

5

Jugendarbeitsschutz (JArbSchG)

Strengere Regeln für unter 18-Jährige: max. 8 h/Tag, 40 h/Woche, keine Nacht- und Wochenendarbeit, mind. 12 h Ruhezeit.

Für Auszubildende und alle Beschäftigten unter 18:

  • Max. 8 Stunden Tagesarbeitszeit (keine 10-Stunden-Ausnahme)
  • Max. 40 Stunden Woche (5-Tage-Woche)
  • Pause: 30 min ab 4,5 h, 60 min ab 6 h
  • Ruhezeit: mindestens 12 Stunden (nicht 11)
  • Keine Beschäftigung zwischen 20:00 und 06:00 — Ausnahmen für Gastro/Bäckerei mit Auflagen

ArbZG-Spickzettel zum Mitnehmen

WasErwachseneU18
Max. Arbeitszeit / Tag8 h (10 h Ausnahme)8 h
Max. Arbeitszeit / Woche48 h (Schnitt)40 h
Mindest-Ruhezeit11 h (10 h in Pflege/Gastro)12 h
Pause ab 6 h30 min30 min
Pause ab 9 h45 min60 min ab 6 h
Sonntagsarbeitmit Branchen-Ausnahmeverboten
Nachtarbeiterlaubt + Zuschlag20–06 Uhr verboten

Was passiert bei Verstößen?

Das Gewerbeaufsichtsamt kontrolliert stichprobenartig oder nach MA-Meldungen. Bei festgestellten Verstößen drohen:

  • Bußgeld bis 15.000 € pro Verstoß, bei Vorsatz bis 30.000 €
  • Anordnung zur sofortigen Plan-Korrektur
  • Bei beharrlichen Verstößen: Strafanzeige gegen die Geschäftsführung (§ 23 ArbZG)
  • Im Pflegeumfeld zusätzlich: MDK-Vermerk mit Folgen für die Pflegequalität

Die häufigsten Verstöße in der Praxis sind unbeabsichtigt: Ruhezeit-Unterschreitung nach kurzfristigen Schicht-Tauschen, vergessene Pausen-Buchung, Sonntag-Folge ohne Ersatzruhetag.

Wie verhindert man ArbZG-Verstöße im Alltag?

Drei pragmatische Schritte:

  1. Schicht-Typen sauber definieren — Start, Ende, Pause-Vorgabe. Wer „je nach Lage" plant, übersieht Verstöße. Wer Schichten als typed Bausteine plant, sieht sofort wenn 11 h Ruhe nicht passen.
  2. Plan vor Veröffentlichung prüfen. Vor dem Aushang gegen die 5 ArbZG-Regeln durchgehen. Manuelle Excel-Prüfung dauert 2–4 Stunden pro Monat — Software macht das in Sekunden.
  3. Schicht-Tauschen kontrolliert. Wenn zwei MA tauschen, kann das bei einem von beiden in eine ArbZG-Lücke führen. Tausch nur mit erneutem Compliance-Check.

Wie RosterIQ dabei hilft

RosterIQ hat eine eingebaute ArbZG-Engine. Vor dem Veröffentlichen jedes Dienstplans laufen die 5 zentralen Checks automatisch — Ruhezeit, Höchstarbeitszeit, Pausen, Sonntag-Quote, Wochen-Mittel. Verstöße werden rot markiert mit konkretem Vorschlag, wie sie zu beheben sind. Audit-Log pro Plan-Änderung, exportierbar für die Gewerbeaufsicht.

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Häufige Fragen

Gilt das ArbZG auch für Teilzeit-Kräfte?+
Ja, ohne Einschränkung. Auch eine 20-h-Aushilfe darf an einem Tag nicht 14 h arbeiten und muss 11 h Ruhe zwischen zwei Schichten haben.
Was ist mit Rufbereitschaft?+
Rufbereitschaft selbst ist keine Arbeitszeit — erst der tatsächliche Einsatz nach Anruf zählt. Wird der/die MA aber während der Bereitschaft gerufen, beginnt die Ruhezeit ab dem Einsatz-Ende neu.
Kann ein Tarifvertrag das ArbZG aushebeln?+
Nein. Ein Tarifvertrag kann nur in eng definierten Grenzen Abweichungen erlauben (z.B. längere Höchstarbeitszeit mit Ausgleich) — die Mindest-Schutzregeln wie 11 h Ruhe bleiben aber Pflicht.
Wer kontrolliert das?+
Die Gewerbeaufsichtsämter der Bundesländer (in Bayern: Gewerbeaufsicht im Landratsamt, in NRW: Bezirksregierung). Kontrollen erfolgen stichprobenartig oder nach Hinweisen aus dem Betrieb.

Disclaimer: Dieser Artikel ersetzt keine Rechtsberatung. Bei konkreten arbeitsrechtlichen Fragen wende dich an die Berufsgenossenschaft, einen Fachanwalt für Arbeitsrecht oder an die zuständige Gewerbeaufsicht. Stand: Mai 2026.